Broadchurch – Meer und Abgründe

Der heimliche Hauptdarsteller vieler britischer TV-Formate ist die Landschaft. Klippen und Meer zum nicht dran sattsehen können. Umso grauseliger wirkt das Verbrechen im Kontrast zur überbordenden Schönheit der Natur. Das Verbrechen in Broadchurch ist speziell schlimm, weil es sich beim Opfer um ein Kind handelt. Und ich nehme nicht allzu viel vorweg, wenn ich noch andeute, dass es zwischen Ermittler und Opfer eine Verbindung gibt, die dazu führt, dass der ganze Fall den Zuseher sehr schnell sehr emotional einfängt und festnagelt.
Ich mag britisches Fernsehen grundsätzlich sehr gerne und ich empfinde das als große Errungenschaft des Streaming-Plattform-Zeitalters, mehr englischsprachige Formate als nur die aus Hollywood sehen zu können. Die Schauspieler sind optisch durchschnittlicher und erzählt wird mit weniger Brimborium und Drama. Manchmal schlägt das allerdings in eine gewisse Trostlosigkeit um. (Broadchurch schrammt da zugegeben hin und wieder haarscharf dran vorbei.)
Was diese Krimi-Serie für mich so gelungen macht, sind die liebevoll ausgearbeiteten Charaktere und Kleinstadt-Bewohner vom fiktionalen Broadchurch, dem gleichzeitigen Ort des Geschehens und Titelgeber. Als mitermittelnder Zuschauer wünscht man sich ja in der Regel einen wenig geradlinigen Handlungsverlauf mit der ein oder anderen Sackgasse und überraschenden Wendung. Die meisten deutschen Tatorte scheitern in jüngerer Zeit für mich daran, das mit Überzeugung durchzuspielen. Broadchurch und seine falschen Fährten sind absolut wasserdicht. Und auch in der zweiten Staffel funktioniert das Prinzip Irreführung tadellos. Wenn man Detektivgeschichten mit einem mittleren Schock-Faktor mag, dann kann man unterhaltungstechnisch hier absolut keinen Fehler machen. Allein schon Olivia Colman und David Tennant in der Rolle der Detektive sind ausgesprochen sehenswert.

Advertisements