Fernsehen 2.0-Podcast, die Erste

Ich hab da mal was aufgenommen, 12 Minuten 24 lang hab ich von meinen aktuellen Lieblings-Youtubern erzählt.

Mit dabei:

Casey Neistat

Joogsquad

Jenna Marbles

Julien Solomita

Frank Howarth

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Fünf kurze Empfehlungen – Januar

Ich hab so einige tolle Serien auf meiner Liste stehen, die drauf warten empfohlen zu werden. Manchmal muss man vielleicht auch gar nicht so ausufernd informiert werden, deswegen startet hiermit der Versuch einmal im Monat fünf sehenswerte Formate kurz vorzustellen. Los geht’s.

Lillyhammer (Netflix)

Sensationell lustige Geschichte über einen Bilderbuch-Mafiosi, der im Zeugenschutzprogramm in Lillehammer in Norwegen allerlei Unfug anstellt. Inklusive massenweise Schnee, norwegischen Rockern und einem grandiosen Steven van Zandt in der Hauptrolle.

3% (Netflix)

Dystopisches brasilianisches Drama um eine Welt in der eine kleine Gruppe von Auserwählten dem Leben im Slum entgehen kann, wenn sie in einem an die Hunger Games erinnernden Test bestehen.
(Sensationelles Beispiel, wie Synchronisation auch funktionieren kann, wenn man mehr Wert auf eine gute Übersetzung und schauspielerisches Talent der Synchronsprecher legt, als wie in deutschen Produktionen übliche auf die Lippensynchronität. Es lohnt sich absolut die englische Tonspur zu wählen, wenn man kein Portugiesisch kann.)

True Blood (Sky)

Vampire haben gerade beschlossen kollektiv aus dem Closet rauszukommen, weil ein japanischer Blutersatz, das sog. Tru Blood, es ihnen theoretisch erlaubt auch ohne Menschenopfer zu überleben. Mit sehr viel Südstaaten-Charme wird von den Abenteuern der bezaubernden Sookie Stackhouse und ihrem Kavalier dem Vampir Bill erzählt. Natürlich gibt es auch sonst einiges an übernatürlichen und illustren Charakteren. Sky hat die gesamte Serie mit sieben Staffeln auf Abruf. Absolute Empfehlung für Vampir-Fans, wenn auch die Qualität in den letzten Staffeln ein wenig nachlässt.

Westworld (Sky)

Western trifft Science Fiction, wirklich eine wilde Mischung, die in diesem Fall aber recht gut funktioniert. Ein sensationeller Anthony Hopkins in der Rolle des verrückten Professors, der die vermeintlich perfekte KI erschaffen hat und mit ihr eine Welt in der es für reale Menschen keine Konsequenzen zu geben scheint. Der Plot ist nicht immer rund, aber im großen und ganzen ein recht lohnenswertes TV-Event. Vor allem wegen der tollen sehr cinematischen Aufnahmen.

Life of Elise (Youtube)

Elise ist für mich die Real-Live-Inkarnation von Pippi Langstrumpf. Mit roten Haaren und bunten Klamotten erzählt sie von ihrem bunten Leben im dänischen Odense. Gerade ist sie zusammen mit ihrem Karnickel Luna umgezogen. Noch hat ihre neue Wohnung nicht den gleichen wunderbaren Hippie-Zauber wie ihr vorheriges Domizil, aber gerade die Geschichte vom Umzug, die sie während dem täglichen Vlog-mas Youtube-Event erzählt, ist recht unterhaltsam anzuschauen. Ich mag ihren Vlogging-Stil sehr gerne und ich bin gespannt, wo sie sich damit in diesem Jahr hinentwickelt.

Wo gehobelt wird, fallen Kameras oder so

Fynn Kliemann ist ein sogenanntes Multi-Talent: Musiker, Filmemacher, Ausnahmewebdesignagenturbesitzer. Er hat sich aber dafür entscheiden mit dem Heimwerken das, was er am wenigsten kann zum Inhalt seiner Filme zu machen. Das führt zu einer explosiven Mischung aus Versuch und Irrtum, irgendwie schon vorhandenem angelesenem oder erfragten Fachwissen, Sieg und Niederlage, Gefluche und Jubel und am Ende dann doch ein fertiges und gelungenes Werkstück untermalt von ziemlich sensationellen musikalischen Eigenproduktionen mit erstaunlich gutem Sprechgesang. Ein Fynn Kliemann-Video ist ein phänomenales Gesamtkunstwerk der Independent-Unterhaltung, die dank der Youtube-Infrastruktur entstanden ist. Dass der Mann schon direkt wenn er einfach nur den Mund aufmacht wahnsinnig unterhaltsam ist, hilft natürlich auch. Und der Cast, den hätte man sich auch nicht besser ausdenken können. Franzi ist ein super-sympathischer Supporting Character, und die Hühner sowieso. Was mich persönlich aber zusätzlich noch sehr begeistert, ist diese kompromisslose „Einfach mal machen“-Attitüde, die gepaart mit „Egal, dann halt nochmal anders“-Durchhaltevermögen immer und immer wieder zum Ziel führt. Als jemand, der gerne mal Dinge gar nicht erst anfängt, weil sich beim Vorher-Durchdenken das ein oder andere Hindernis abzeichnet, hat so eine Kliemann-Produktion was irre mitreisendes.
Ich hatte tatsächlich Schwierigkeiten mir nur ein Lieblingsvideo auszusuchen. Die Teichbaugeschichte mochte ich zum Beispiel sehr gerne und ich hoffe sehr, dass es da in diesem Sommer ein Sequel geben wird. Oder die Skateboard-Mini-Ramp, die für mein uninformiertes Auge mehr wie eine fast ausgewachsene Halfpipe aussieht. Wenn ich aber jetzt Pistole-an-Kopf doch eine Entscheidung treffen muss, dann is das „Mach-Deine-Scheiße“-Tag-Video der Gewinner. Die Szene in der Dusche mit endlich mal der Situation angepasster Sicherheitskleidung ist einfach unschlagbar.

Ich bin ein bisschen hin und her gerissen, einerseits wünsch ich mir, dass der Herr Kliemann sofort einen hochdotiert Fernsehvertrag kriegt, in seiner Agentur nur noch Chef auf dem Papier bleibt und ab sofort rund um die Uhr seine überragenden Heimwerker-Videos produziert. Andererseits möchte ich gerne, dass er so lange wie möglich genau so wie er’s grade tut weitermacht, weil man das einfach merkt, dass er das alles in allererster Linie zum Spaß macht.
Ach so und Snapchat, also Snapchat wurde eigentlich erfunden für Fynn Kliemann oder vielleicht auch umgekehrt, jedenfalls hab ich lange nicht begriffen, was das soll (ich bin ja wohl eigentlich auch nicht so richtig die Zielgruppe). Es lohnt sich absolut, sich diese App nur für die Fynn Kliemann-Show aufs Smartphone zu laden.
So, genug der Lobhudelei, oh einen letzten Einwurf: Fynn, ich mag Deine Stimme sehr, mach doch mal was mit mehr Gesang.

Patrick Wollny – Season 1 oder im Schatten vom Halligalli

Was macht man, wenn man beim Fernsehen arbeitet, selber aber nicht vor der Kamera steht. Richtig, man kauft sich eine Sony RX100 III und nimmt das als Grund von hinter endlich vor die Kamera zu treten. Weil man aber wegen dem zeitintensiven Job beim Fernsehen keine Zeit hat für ausufernde Zusatzprojekte, filmt man halt das, was an halbwegs spannenden Dingen sowieso schon stattfindet und das ist dann eben Geschäftsreise, Heimatbesuch und Berg-Urlaub. Das reicht aber absolut aus, um sechs sehenswerte Folgen einer selbstbetitelten Serie zu produzieren und von Marie Meimberg auf dem Übermedien-Blog empfohlen zu werden. (Danke für den Tipp, Marie!)
Patrick Wollny hat’s echt drauf. Vermutlich muss das so, wenn man beim Fernsehen arbeitet. Seine kleine aber ohoe Webserie war für mich der erste Content, für den ich sofort, gerne und absolut freiwillig die iTunes-üblichen 1,99 pro Folge auf den virtuellen Tisch gelegt hätte.
Ich würd mir wirklich wünschen, dass es ein Youtube-Modell gäbe für solche Formate. Mit Webvideos richtig Kohle verdient gerade, wer möglichst täglich irgendwelchen Content veröffentlicht und irrsinnig viel Zeit in Community-Outreach investiert. Das ist völlig berechtigt und ok, führt aber dazu, dass aufwändig produzierte Videos von Leuten, die sonst viel anderweitig beschäftigt sind, vom Werbeeinnahmen-Topf eher nix abbekommen. Da bräuchte es jetzt mal ein Startup, das ein Bezahlmodell einführt. Vermutlich ein klarer Fall von die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit. Schön, dass die Patrick Wollnys dieser Welt trotzdem hin und wieder spärliche Freizeit opfern. Wenn man sich sonst niemals nix auf Youtube ankuckt, dann sollte man für das hier durchaus mal eine Ausnahme machen.